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Friedenskirche | 313

Kirchen 3. Mai 2026

In Mönchengladbach-Rheydt steht ein besonderes Zeugnis deutscher Baugeschichte: Die ehemalige evangelische Friedenskirche gilt als eines der ersten Projekte in Deutschland, bei dem ein Sakralbau erfolgreich in Wohnraum umgewandelt wurde. Wo früher Gebete gesprochen wurden, befinden sich heute 18 moderne Wohneinheiten.

Ein Kind der Industrialisierung

Die Geschichte der Kirche begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Da Rheydt durch die industrielle Entwicklung rasant wuchs, reichten die Plätze in der bestehenden Hauptkirche nicht mehr aus. Man entschied sich gegen einen Ausbau des Altbaus und für einen Neubau an der Landstraße nach Geneicken.

Entworfen vom Architekten Maximilian Nohl und nach dessen Tod durch Ewald Landmann vollendet, entstand eine Emporenhalle, die verschiedene Baustile – von der Romanik bis zur Renaissance – vereinte. Besonders auffällig war die Ausrichtung: Da sich der Bau nach der Straßenführung richten musste, zeigt der Altarraum (Chor) ungewöhnlicherweise nach Norden statt nach Osten. Am 6. November 1866, kurz nach dem Ende des Deutschen Krieges, wurde sie als „Friedenskirche“ geweiht.

Zerstörung und ein pragmatischer Wiederaufbau

Der Zweite Weltkrieg hinterließ tiefe Spuren. Bei einem Luftangriff im August 1943 wurde das Kirchenschiff bis auf die Außenmauern und den markanten Turm zerstört. Erst 1952 begann der Wiederaufbau, bei dem man bereits erste funktionale Änderungen vornahm: Im Westen wurden Büroetagen integriert und der Innenraum erhielt einen schlichteren, zeitgemäßen Stil.

Der mutige Schritt zur Umnutzung

In den 1990er-Jahren geriet die Kirche in eine Krise. Sinkende Mitgliederzahlen und hohe Sanierungskosten zwangen die Gemeinde zum Handeln. Da die nahegelegene Hauptkirche den Bedarf decken konnte, suchte man nach einem neuen Konzept. 1998 wurde das Gebäude für den symbolischen Betrag von 1 DM an die Gemeinnützige Kreisbau AG verkauft.

Unter der Leitung des Architekten Wolfgang Wefers entstand ein innovatives Konzept:

  • Wohnraum: Einbau von 18 Sozialwohnungen direkt in das Kirchenschiff.
  • Licht und Luft: Ein zentraler, bis zum Dach offener Flur (Galerie) sorgt für Helligkeit und lässt die historische Dachkonstruktion sichtbar.
  • Turmnutzung: Sogar der mächtige Kirchturm wurde bewohnbar gemacht; einige Wohnungen erstrecken sich über mehrere Etagen bis in den Turmbereich.

Die Fassade blieb dabei weitgehend erhalten, lediglich im oberen Bereich wurden zusätzliche Fensterreihen eingefügt, um die Wohnungen mit Tageslicht zu fluten.

Ein Denkmal mit neuer Seele

Heute ist die Friedenskirche ein Paradebeispiel für „Konversionsarchitektur“ und zieht regelmäßig Architekturstudenten und Medienvertreter an. Während das Äußere mit dem markanten Turm und dem Posaunenengel auf der Spitze weiterhin das Stadtbild von Rheydt prägt, hat sich das Innenleben komplett gewandelt.

Die religiösen Relikte fanden neue Orte: Die Orgel wurde nach Polen abgegeben, und die Glocken läuten heute in der Kathedrale St. Peter und Paul in Moskau. An ihrer Stelle im Turm befinden sich nun moderne Sendeanlagen. Seit 1996 steht das Gebäude unter Denkmalschutz – als Symbol für den respektvollen Umgang mit Geschichte in einer sich wandelnden Gesellschaft.

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