Filmbühne | 317
Mitten in der Trümmerlandschaft der Nachkriegszeit setzte ein besonderer Ort ein Zeichen des Aufbruchs: Nur ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs öffnete in der schwer gezeichneten Mönchengladbacher Innenstadt ein neues Kino seine Pforten. Es sollte für die kommenden Jahrzehnte ein zentraler Anlaufpunkt für Kulturbegeisterte werden.
Der Glanz der 50er Jahre: Die Ära der „Filmbühne“

Einen entscheidenden Wendepunkt erlebte das Haus im Frühjahr 1956. Nach einer rasanten, nur elf Tage dauernden Modernisierungsphase wurde das Kino unter dem Namen „Filmbühne“ neu eröffnet. Der bekannte Kinobetreiber Emil Kleine-Brockhoff, der bereits namhafte Häuser wie das Union-Theater oder die Lichtburg führte, hatte den Betrieb von der Firma Zumbroich und John D. Seelk übernommen.
Der Umbau unter der Leitung des Düsseldorfer Architekten Hanns Rüttgers setzte auf Qualität statt Quantität:
- Komfort & Sicht: Die Kapazität wurde von 676 auf 545 Plätze reduziert, um den Zuschauern mehr Raum zu geben. Eine innovative, wannenförmige Umgestaltung des Zuschauerraums sorgte zudem für deutlich verbesserte Sichtverhältnisse.
- Design: Das Interieur bestach durch moderne Linien. Besonders markant war die Deckenbeleuchtung in Form eines „S“ sowie die geschickte Integration der tragenden Säulen in das gestalterische Gesamtkonzept.
- Technik: Mit einer neun Meter breiten Cinemascope-Leinwand und Vorbereitungen für stereofonischen Ton war das Kino technisch auf dem neuesten Stand der Zeit. Ein grün-grauer Prachtvorhang rundete das edle Ambiente der Bühne ab.
Wandel und heutige Nutzung

Trotz der modernen Ausstattung und der Popularität des Kinos endete die Ära der Lichtspiele an diesem Standort vergleichsweise früh. Doch das Gebäude an der Eickener Straße 88 versank nicht in der Bedeutungslosigkeit.
Wo früher Hollywood-Stars über die Leinwand flimmerten, herrscht heute eine andere Form der Unterhaltung: Die Räumlichkeiten haben sich erfolgreich transformiert und dienen nun als lebendiger Theater- und Comedy-Club. Damit bleibt die Adresse auch acht Jahrzehnte nach ihrer ersten Eröffnung ein wichtiger Pfeiler der Gladbacher Kulturlandschaft – nur dass das Publikum heute über Pointen lacht, statt in Kinosesseln zu träumen.
Quellen
Alle Kinos.com