Bahnhof Rheydt-Geneicken | 260
Bahnhöfe sind Orte des Übergangs, doch kaum ein Gebäude hat so viele Wandlungen vollzogen wie der Bahnhof Rheydt-Geneicken. Gelegen zwischen den Mönchengladbacher Stadtteilen Rheydt und Bonnenbroich-Geneicken, erzählt das heute denkmalgeschützte Areal eine Geschichte, die von der industriellen Blütezeit über die Zerstörung des Krieges bis hin zur modernen kulturellen Nutzung reicht.
Ein Knotenpunkt der Industrie
Alles begann am 1. Februar 1870, als die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft den Betrieb aufnahm. Ursprünglich verband die Strecke Mönchengladbach mit Stolberg. Zur Jahrhundertwende war der Bahnhof weit mehr als nur ein Halt für Reisende: Er war das logistische Herz des angrenzenden Industriegebiets. Namhafte Unternehmen wie das Kabelwerk Rheydt oder Scheidt & Bachmann nutzten die Gleisanschlüsse für ihren Güterverkehr.
In seiner Blütezeit nach dem Zweiten Weltkrieg – den das Gebäude trotz Schäden überstand – herrschte hier Hochbetrieb. Um 1950 hielten täglich über 40 Züge, während insgesamt rund 80 Züge die Station passierten.
Stilllegung und Dornröschenschlaf
Trotz der Elektrifizierung im Jahr 1968 verlor die Strecke zunehmend an Bedeutung. Der Personenverkehr verlagerte sich auf parallel verlaufende Routen, und der Gütertransport wanderte auf die Straße ab. 1985 kam schließlich das Aus für den regulären Verkehr zwischen Rheydt-Geneicken und Odenkirchen. Die Gleise wurden abgebaut und wichen einem Radweg, während das Bahnhofsgebäude in einen jahrelangen Dornröschenschlaf sank. Überwucherte Gleise und verblasste Schriftzüge prägten Anfang der 90er Jahre das Bild.
Neue Wege: Gastronomie und Kunst
Die Stadt Mönchengladbach erkannte den historischen Wert und stellte das Empfangsgebäude von 1899 sowie das markante Stellwerk unter Denkmalschutz. Nach einer ersten Wiederbelebung als Restaurant im Jahr 1996, die fast zwei Jahrzehnte Bestand hatte, folgte 2017 die bisher spektakulärste Verwandlung.
Unter dem Namen "Kunstsignal" erwarb ein Schweizer Investor das Objekt. Wo früher Fahrgäste auf den nächsten Zug warteten, ist heute eine moderne Kunstakademie sowie ein exklusiver Veranstaltungsort für Konzerte und Ausstellungen beheimatet. Das historische Ambiente mit seinen Backsteinmauern und dem Walmdach bietet nun den Rahmen für internationale Musiker und bildende Künstler.
Der Bahnhof im Überblick
Heute ist der Bahnhof Rheydt-Geneicken ein Paradebeispiel dafür, wie Industriearchitektur durch kreative Umnutzung bewahrt werden kann. Er ist kein Ort des Stillstands geblieben, sondern hat sein Signal dauerhaft auf "Zukunft" gestellt.
| Merkmal | Details |
| Eröffnung | 1. Februar 1870 |
| Ende Personenverkehr | 31. Januar 1985 |
| Heutige Nutzung | Kunstakademie, Veranstaltungsort ("Kunstsignal"), Kiosk im Stellwerk |
| Besonderheiten | Ehemaliges Empfangsgebäude und Stellwerk Gf sind geschützte Baudenkmale |
| Relikte | Die alte Trasse dient heute als Radweg; Restgleise werden teils für Trafotransporte genutzt |
Hier sind Bilder zu dem Stellwerk Rheydt-Geneicken Gf


Bilder von Stellwerke.info | 260/2
Du interessierst dich für weitere Bilder?